Die 5. Jahreszeit in München

09. – 12. März 2023

Frühling – Sommer – Herbst – Winter. Die vier Jahreszeiten kennen wir alle. Aber was hat es mit der 5. Jahreszeit auf sich, die in München eine lange Tradition hat? Um dies herauszufinden sind wir für ein verlängertes Wochenende in die Stadt an der Isar gereist, um etwas Starkbier-Luft zu schnuppern.

Die Starkbierzeit wird in München auch als die 5. Jahreszeit bezeichnet. Dieses Jahr findet sie vom 10. März bis zum 2. April statt. Zu verdanken ist dieses Ereignis der Fastenzeit, die nach katholischem Glauben von Aschermittwoch bis Ostern dauert. Besonders streng wurde früher in den Klöstern gefastet. Um diese Zeit der Zurückhaltung zu erleichtern, kam einigen Paulaner Mönchen die Idee, ein besonders gehaltvolles und nahrhaftes Bier zu brauen: das Starkbier war geboren. Von diesem kräftigen Bier wurde vor einigen Jahrhunderten gewaltige Mengen konsumiert, denn das Trinken des Fastenbiers galt nicht als Sünde. Flüssiges (Brot) bricht das Fasten nicht! Und wenn schon ein Bier, dann ein wirklich nahrhaftes mit ca 65 kcal/dl.

Auch wenn man das mit dem Fasten heute nicht mehr so genau nimmt, ist der Starkbierausschank während der Fastenzeit zur Tradition geworden. Das Starkbier hat einen höheren Stammwürze-Gehalt (mindestens 18%) und somit ist auch einen höheren Alkoholgehalt (ca 7.5 %). Alle grossen Münchner Brauereien brauen ihr Starkbier, erkennbar mit der Endung -ator im Namen. Die Starkbiere haben wohlklingende Namen wie Maximator (Augustiner), Triumphator (Löwenbrauerei), Optimator (Spaten), Delicator (Hofbräu), Animator (Hacker-Pschorr) oder Salvator (Paulaner). Oft wird die 5. Jahreszeit mit einem Starkbieranstich gestartet.

Am bekanntesten ist das Original-Starkbier – der Salvator von der Paulaner Brauerei und der damit verbundene Starkbieranstich auf dem Nockherberg. Gestartet wird mit einer Derblecken-Rede und mit einem Singspiel. Danach wird während drei Wochen die 5. Jahreszeit gefeiert. Auch bei anderen Brauereien wird das Starkbier zelebriert, so zum Beispiel im Augustiner Keller oder bei Löwenbräu. Und oft sind die Eintrittstickets für diese Feste schon früh vergriffen.

Wir wollen uns bei unserem Besuch auf vier Starkbiere beschränken. Zum einen, weil es dieses Getränk meist nur in Gefässen von 5 dl oder sogar 1 Liter gibt. Zum anderen ist das Starkbier mit seinem hohen Alkoholgehalt nicht ganz ungefährlich. Und bei uns hat der Genuss erste Priorität.

Der Salvator von Paulaner – flüssiges Brot mit gut 7 %

Erster Tag
Wir starten unsere Starkbierreise bei Giesinger Bräu. Dem Braustüberl statten wir immer einen Besuch ab, wenn wir in München sind. Besonders gemütlich ist es im Sommer, wenn man draussen sitzen kann. Da wir etwas früh dran sind und unser Tisch noch nicht bereit ist, geniessen wir ein Echt Münchner Helles an der Bar.

Echt Münchner Helles – sehr süffig!

Pünktlich auf die reservierte Zeit werden wir an unseren Tisch geführt. Dort bestellen wir etwas deftiges zu Essen. Schliesslich brauchen wir einen guten Boden. Dazu gibt es den Giesinger Innovator, ein untergäriger Doppelbock mit sattem Malzkörper und fein-würzigem Hopfenaroma und den Giesinger Winterbock. Dieser obergärige Bock überzeugt mit seiner schönen Hopfennote. Beide passen wunderbar zum Essen. Ein perfekter Start!

Da es ein langer Tag war (4 1/2 Std Anreise mit dem Zug mit anschliessender Shoppingtour in der City) und wir es langsam angehen wollen, gibt es nur noch ein Abschlussbier im Tap House. Im November 2013 hat das Tap House München unter Leitung der Camba Bavaria seine Türen geöffnet. 2015 hat es Borislav Ilic übernommen und führt die Bar mit viel Herzblut. Es gibt eine grandiose Auswahl an Bieren, 40 davon vom Zapfhahn. Der Service ist top inkl passender Beratung. Die kleine aber stimmige Speisekarte passt auch.
Da wir im Motel One Haidhausen übernachten, ist der Heimweg sehr kurz: nur über die Strasse und wir sind schon am ‚daheim‘.

Zweiter Tag
Unser erstes Ziel heute ist der Paulaner am Nockherberg. Hier findet die grosse Sause statt. Immer direkt nach dem Fasching ruft der Berg zum Original Starkbierfest. Während drei Wochen kommt richtige Wiesn-Stimmung auf. Doch man kann den Salvator auch ganz gemütlich im Wirtshaus geniessen und dazu in aller Ruhe etwas feines Essen.

Gut zu wissen: Der Nockherberg ist eine kleine Geländeterrasse an der Hangkante des östlichen Isarhochufers im Münchner Stadtteil Au (Wikipedia).

Und so machen wir es auch. Wir gehen zur Mittagszeit auf den Berg. Es ist noch ruhig und das Wirtshaus ist mässig besetzt, so dass wir ohne Probleme einen Tisch bekommen. Auf dem Nockherberg werden in der Hausbrauerei Biere gebraut, die es nur hier zu geniessen gibt. So stehen ein Helles, ein Münchner Dunkles und ein Weizenbock auf der Karte. Das Bayrisch IPA (Saisonbier) ist leider schon ausgetrunken. Dafür gibt es den Salvator frisch vom Fass.

Ich starte mit dem Nockherberger, einem Zwickel.

Der Gastraum ist hell und luftig gestaltet und im Zentrum steht die Brauanlage. Das Essen schmeckt ausgezeichnet. Dummerweise lassen wir uns noch auf ein Dessert ein: einen Kaiserschmarrn, welcher nicht nur fantastisch schmeckt sondern mit seinen mindestens 1000 kcal eigentlich eine volle Mahlzeit ist. Aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Der Paulaner am Nockherberg ist ein Besuch wert! Das Essen ist grossartig und wenn man sich nicht für ein Bier entscheiden kann, gibt es alle hausgebrauten Biere in der angenehmen Probiergrösse von 1 dl. Über Beschreibungskärtchen erfährt man mehr über die verschiedenen Sorten. Und sonst hilft das Personal sehr gerne weiter. Und im Sommer lädt ein grosser Biergarten zum gemütlichen Verweilen ein.

Für uns geht es nach dem Essen wieder weiter. Wir flanieren noch in der Stadt herum und kehren zurück zum Hotel, um eine kurze Erholungspause zu machen.

Für das Nachtessen habe ich im HopDog reserviert – wird am Wochenende empfohlen! Das HopDog liegt mitten im Biermuda Dreieck Münchens, dem Epizentrum für Craftbier. Im HopDog gibt es zwölf Biere am Zapfhahn und eine grosse Auswahl an Flaschen. Einige von modernen Brauern, andere von traditionellen Brauereien mit großartigen klassischen Stilen. Und diese Biere gibt es sonst nirgends in München am Hahn!

Ausserdem kann man sich seinen Hotdog selber zusammenstellen. Auch ein ‚veganer Hund‘ wird angeboten. Einfach grandios! So lassen wir uns auf ein Fränkisches Bier und einen selbstgebauten Hotdog ein.

– Fastenbier / Lager / Sonnen-Bräu Mürsbach
– Sedat’s Kleines Pilsner / Pilsner / Brauerei Wagner Merkendorf

Wir verzichten heute für ein Abschlussbier im Tap House München. Auch die Hotelbar lassen wir links liegen. Und dies, obwohl es eine sehr ansprechende Gin-Karte gibt. Aber für morgen ist Wallfahrt angesagt, da müssen wir ausgeruht sein.

Dritter Tag
Heute steht das Kloster Andechs auf dem Programm. Mit der S 8 und dem Bus gelangen wir in knapp einer Stunde und perfekt auf die Mittagszeit auf den Klosterberg. Das Kloster Andechs verfügt aber auch über einen riesigen Besucherparkplatz inkl Wohnwagen-Stellplätzen. Die Anfahrt mit Bahn/Bus ist aber zu empfehlen, da es der Doppelbock doch in sich hat mit seinen 7.1%.

Das Wetter ist zwar super-schön. Aber es ist uns zu kalt, um draussen im Wind zu sitzen. Einige ganz verwegene machen das. Wir finden noch Platz im Bräustüberl und geniessen unsere Brotzeit. Aktuell gibt es nebst dem dunklen Doppelbock noch das Winterbier (4.8 %), welches nur im Bräustüberl ausgeschenkt wird. Winter kann so wunderbar schmecken. Die Biere wie auch das Essen sind in Selbstbedienung und zu sehr moderaten Preisen. Es gibt kalte und warme Schmankerl (Rollbraten, Schweinebauch, Haxen, diverse Wurstspezialitäten, Obazda und vieles mehr). So stell sich bei uns sehr schnell das Andechser Gefühl ein!

Keine Möglichkeit, die Starkbierzeit in München mitzuerleben? Kein Problem. Zum einen gibt es noch den Maibock, zum anderen haben die Mönche vom Kloster Andechs das Privileg, das ganze Jahr über Starkbier zu brauen und auszuschenken. Der bedeutende Wallfahrtsort wird auch heute noch von hundertausenden Menschen pro Jahr aufgesucht, wobei die heutigen Wallfahrer mehr des Bieres wegen kommen. Besonders beliebt ist der dunkle Andechser Doppelbock, der selbst geeichten Biertrinkern das Schwanken lehren kann. Wenn man schon dort ist, sollte man einen Blick in die prächtige Klosterkirche werfen, die als eine der schönsten Kirchen des Bayerischen Barock gilt.

Gut gestärkt geht es wieder per Bus/Bahn retour in die Stadt zurück ins Hotel für eine kleine Erholungspause. Bei schönem Wetter ist die Wanderung nach Herrsching zu empfehlen. So hat man verdaut bzw die Bier-Kalorien abgebaut. Oder man wandert von Herrsching auf den Berg hoch und darf sich dann doppelt auf die Brotzeit freuen.

Eigentlich interessiert uns noch das Starkbier vom Hofbräuhaus (Delicator). Also rasch ins Hofbräuhaus und wir finden sogar einen Platz. Aber es hat uns schlichtweg zu viele Leute, das Gedränge ist gross (wie immer), es ist uns zu laut und so dass wir die Flucht ergreifen. Die Bedienung hat uns eh übersehen, also was soll’s. So lassen wir uns im Augustiner Klosterwirt auf den Maximator ein. Dazu etwas Kleines essen, denn der Hunger hat sich unterdessen schon wieder gemeldet.

Zum Abschluss gehen wir zurück ins Biermuda Dreieck und zu TrueBrew. Es ist Samstagabend und darum hat es auch hier viele Leute. Die Biere kommen bei TrueBrew direkt aus dem Tank. Es gibt aber auch Dosen. Verhungern muss man auch nicht. Feine Pizzen werden angeboten. Ich entscheide mich für ein alkoholfreies Bier mit dem Namen Into the Wild. Es ist immer spannend zu sehen bzw zu schmecken, wie Brauereien das Thema Alkoholfrei umsetzen. Für Rolf gibt es ein Fruited Sour aus der Dose: Kick Out the Jams: Plum & Cinnamon. Zum Schluss bei TrueBrew gibt es das Limoncello Supersoaker, ein Sour IPA. Schmeckt sehr erfrischend.

Da der nächste Bus zurück zum Hotel (hält mehr oder weniger direkt vor dem Hoteleingang) erst in 20 Minuten fährt, machen wir noch einen Zwischenstopp bei Frisches Bier. Auch hier hat es sehr viele Leute und wir finden gerade noch knapp zwei Plätze an der Bar.

Wir wechseln auf die dunkle Seite und lassen die drei Tage Revue passieren. Die Anfahrt mit dem direkten Zug ab Zürich war schnell und angenehm. Das Motel One Haidhausen ist für Bierliebhaber perfekt gelegen, da die bierigen Hotspots einfach mit Bus/S-Bahn/U-Bahn erreichbar sind. Für unseren Aufenthalt haben wir uns für die IsarCard-Woche entschieden. Ist man drei Tage mit dem öffentlichen Verkehr in der Stadtzone M unterwegs, lohnt sie sich. Für die Fahrt nach Andechs haben wir einfach eine Anschluss-Gruppen-Tageskarte dazu gekauft.

Ob sich die Reise nach München für die fünfte Jahreszeit gelohnt hat? Sicher! Wir hatten tolle Starkbiere, schmackige Biere aus Franken, Neuentdeckungen von Camba Bavaria und Spezialitäten, die es nur vor Ort gibt. München ist immer eine Reise wert – mit oder ohne Starkbier.

Ein Kommentar zu „Die 5. Jahreszeit in München

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