Craftbeer Milano

29.07. – 01.08.2021
Nach unserer Reise durch das Piemont und durch die Toskana haben wir richtig Lust auf mehr Italien bekommen. So nehmen wir eine kleine 4-tägige Auszeit und fahren mit der Eisenbahn nach Milano. Wann ich das letzte Mal in Milano war? Sicher noch im letzten Jahrhundert anlässlich einer Klassenreise. Also wirklich erinnern kann ich mich an die Stadt nicht mehr. Umso gespannter war ich auf die führende Kultur-, Medien- und Modemetropole Italiens. Ausserdem interessiert mich, was diese Stadt in Sachen Bier zu bieten hat. Schliesslich will ich meinen Horizont in Sachen italienischen Craftbieren erweitern.

Das Hotel haben wir in der Nähe des Bahnhofs Milano Centrale gewählt und haben darum einen schnellen Zugang zum gut ausgebauten Bus-, Tram- und Metronetz. Die Dreitageskarte erleichtert uns die Benützung des öffentlichen Verkehrs und sie ist einfach an einem der vielen Fahrkartenautomaten am Bahnhof oder in der Metrostation zu beziehen.

Unser erstes Ziel ist selbstverständlich der Mailänder Dom, welcher eine der grössten Kirchen der Welt ist. Auch auch hier hat es – bedingt durch die Pandemie – mehr Tauben als ausländische Touristen. In der Victor-Emanuell-Galerie lassen wir uns nicht von den Preisen für einen Caffè einschüchtern. Dafür stehen wir ehrfürchtig vor den Schaufenstern berühmter Modemachern und staunen über die Preise zB für eine Handtasche (€ 3500.-). Die Galerie selbst ist ein architektonisches Meisterstück. Sie liegt direkt neben dem Mailänder Dom und ist üppig mit Stuck, Fresken und Marmor dekoriert. Aber wir sind ja nicht wegen der Architektur nach Mailand gekommen.

Bierfabrik
Via Federico Ozanam 8
Unser erster Stopp ist die kleine Bierbar Bierfabrik, welche einfach mit dem Bus vom Bahnhof Milano Centrale erreichbar ist. Die Bierfabrik liegt unscheinbar in einer Nebenstrasse, ist jedoch beim näher kommen nicht übersehbar. Draussen stehen einige Tische und es hat auch einen kleinen ‘Wintergarten’. Das Innere sieht urchig und gemütlich aus und an 15 Zapfhähnen werden mehrheitlich Craftbiere aus Italien ausgeschenkt. Selbstverständlich kann man abends auch etwas essen. Wir setzen uns draussen an einen kleinen Tisch und geniessen bei bestem Wetter folgende zwei Biere:

  • L’una rossa – Iris Red / OpperBacco
  • 4 x 4 – IPA / OpperBacco

Birrificio Lambrate Golgi
Via Golgi 60
In Milano gibt es vom Birrificio Lambrate zwei Bierbaren, die man besuchen kann. Zum einen das Pub Birrificio Lambrate Aldelchi (Via Adelchi 5) und das Restaurant/Pub Birrificio Lambrate Golgi, welches wir besuchen. Es ist einfach per Metro oder der Eisenbahn zu erreichen und befindet sich im Namengebenden Stadtviertel Lambrate. Als wir um 18 Uhr ist es schon recht voll und auf allen Tischen steht ein ‘Reserviert ab 20 Uhr’-Schild. Denn auch hier gilt: vor 20 Uhr kann man ‘bere una buona birra e stuzzicare’, also ein gutes Bier trinken und etwas kleines essen. Zum Beispiel patatine fritte, tortillas, arrosticini oder Bretzel.

Das Restaurant-Pub Golgi ist im Stil eines Englischen Pubs eingerichtet, also eher dunkel, dafür sehr gemütlich. Für das erste Bier muss ich mich an der Bar durchkämpfen und ich frage gleich nach, ob wirklich alle Tische drinnen und auf der Terrasse ab 20 Uhr reserviert wären. Da dem nicht so war wurde ich gefragt, ob wir denn gerne um 20 Uhr essen würden, wenn ja könnten wir uns bereits an einen Tisch setzen. So können wir es uns schon gemütlich machen und ein erstes Bier probieren. Gegen 19.30 Uhr werden die reservierten Tische langsam für das Nachtessen bereit gemacht und die Gäste ohne Reservation müssen gehen.

Ab 20 Uhr kann man das Nachtessen betstellen. Auf der Speisekarte befinden sich diverse Leckereien und wir entscheiden uns für einen Roastbeef und eine Tagliate di Manzo. Beides ist unheimlich viel und es schmeckt sehr gut. Unterdessen ist der Innenraum wie auch die Terrasse sehr gut gefüllt. Darum mein Tipp: wenn man essen möchte, unbedingt einen Tisch reservieren (ab 20 Uhr möglich).

Wir bleiben gut drei Stunden im Birrificio Lambrate Golgi, geniessen die guten Biere, das Essen, die gute Musik und die lebendige Stimmung.

– Quarantot / Imperial IPA
– Porpora / Doppelbock
– Gisha / Stout
– Su de Doss / Witbier
– Cosmic / Session IPA
– American Magut / Pilsner

Zum perfekten Abschluss teilen wir uns ein Tiramisù Imperial Stout.



Birrificio Italiano MI
Via Ferrante Aporti 12
Ganz in der Nähe des Bahnhofs Milano Centrale befindet sich das Birrificio Italiano MI. Von unserem Hotel sind wird – dank der Abkürzung durch die riesige Bahnhofshalle – in nur 8 Minuten dort. Das Birrificio Italiano MI hat einen grossen Aussenbereich und einen stylischen Innenbereich. Alle Kreationen von Birrificio Italiano, von Klanbarrique und von Gastbrauereien werden an 10 Zapfhähnen, einer englischen Zapfsäule oder aus  Dosen/Flaschen ausgeschenkt. Essen kann man selbstverständlich auch etwas.

Da es schon etwas spät am Abend ist, gibt es für uns nur einen Schlummertrunk:

– Bibock / Bock
– Delia / Pilsner

Lambiczoon
Via Friuli 46
Ein Highlight unserer Kurzreise ist die ‘Kneipe’ Lambiczoon.  Die Bar liegt mitten in einem Wohngebiet und direkt an der Tramlinie 16 und so rattert regelmässig eine Strassenbahn daran vorbei. Das Lambiczoon ist aber auch einfach mit dem Bus zu erreichen. Die kleine Bierbar verfügt über ca 20 Plätze draussen und genauso vielen drinnen. Also eher klein und überschaubar.

Das Lambiczoon ist auf Sauerbiere spezialisiert. Die Auswahl an Lambic, Kriek, Faro, Geuze und IGAs ist riesig. Wir finden sogar Flaschen von der Brasseria della Fonte oder von BFM (Brasserie des Franches Montagnes/Schweiz) und dies zu angemessenen Preisen.

Zum Start bestellen wir uns homemade Chips (sehr fein) und eine Tagliata (salame/prociutto crudo/coppa), damit wir eine gute Basis für die fantastischen Biere haben:

Gezapft:
– Margose / Birranova / Sour-Gose
– Ü’baccabianca / Ca’ del Brado / Italian Grape Ale (weiss)

Nach den gezapften Bieren wechseln wir auf Flaschen und lassen uns von der sehr kompetenten Mitarbeiterin beraten. Sie präsentiert uns am Tisch zehn verschiedene Sauerbiere und erklärt uns zu jedem Sauerbier die Charakteristik und den Geschmack. Es ist sehr schwierig für uns, zu entscheiden – wir sind leicht überfordert. Aber dank der guten Beratung bekommen wir zwei wunderbare Sauerbiere.

In der Flasche:
– Zesta 2020 / Cantina Errante / Sourbier
-Cuvée Canlibero 2020 / Maestri del Sannio / Sour Fruited (0.375)

Wir geniessen die Zeit auf der Terrasse mit wunderbaren Bieren. Für Sauerbier und IGA-Liebhaber (Italian Grape Ale) ist das Lambiczoon ein absolutes MUSS!! Top-Beratung, tolle Atmosphäre und geniale Biere.


Birrificio del Carrobiolo
Piazza Indipendenza 1, Monza
Das Birrificio del Carrobiolo produziert sowohl ober- als auch untergärige Biere, helle und dunkle, bittere und süsse Biere. Die Brauerei konnte schon einige Auszeichnungen einheimsen. Die Biere gelangen in 30 m langen unterirdischen Rohren direkt von den Kühltanks zu den Zapfhähnen des Brewpub. Monza ist schnell mit der Bahn ab Milano Centrale erreichbar und das Birrificio del Carrobiolo ist nur knapp 5 Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Das Brewpup hat einen grossen schön eingerichteten Innenbereich und eine geniale Terrasse, mitten auf der Piazza Indipendenza. Im Birrifico del Carobbiole werden nur eigene Biere ausgeschenkt. Auf der Karte findet man aber auch eigens kreierte Biercocktails. Beim Essen werden nur Produkte von lokalen Produzenten verwendet. Geöffnet hat das Brewpub Montag – Freitag mittags (12.00 – 15.00 Uhr) und abends (18.00 – Mitternacht) geöffnet.

Wir besuchen das Birrificio del Carrobiolo abends und setzen uns auf die Terrasse. Sofort werden wir sehr freundlich begrüsst und bezüglich der Bierwahl beraten. Wir starten mit einer Tagliata (wunderbarer Salami und Coppa) und teilen uns danach einen grossartigen Hamburger mit Roastbeef (die Tagliata war recht reichlich). Wir geniessen den lauen Abend auf dieser typischen und sehr lebendigen Piazza mit wunderbaren Bieren:

– Carro Keller
– Black Hallertau
– Mo’Scanzati Azzo
– Sour Spring Ale
– Amanipa Phalloide
– Brown Ale
– Coffee-Brett
– BarriC Reloaded

Es fällt uns sehr schwer, wieder zurück nach Milano zu fahren, da es im Birrificio del Carrobiolo sehr gemütlich ist und die Biere und das Essen fantastisch schmecken.

Navigli
Einen Besuch wert ist sind auch das Gebiet der Navigli. Selbt an keinem bedeutendem Strom gelegen, wird Milano durch diese künstlichen Wasserstrassen durchzogen. Gespiesen werden die Navigli von den Flüssen des Hinterlands und somit ist Milano praktisch mit der Adria verbunden. Die Navigli haben Milano schon in der Antike Wohlstand gebracht.

An diesen Kanälen gibt es dutzende Osterie, Bars, Cafés und Pubs. Es lohnt sich, das Quartier am Abend zu besuchen. Leider war die Bar Navigli Craft Beer bei unserem Besuch noch geschlossen.

Tatsache ist, dass man Italien eher mit gutem Wein statt mit gutem Bier verbindet. In Milano gibt es tolle Brauereien und geniale Restaurants/Pups, welche das Gegenteil beweisen. Die grossartige italienische Küche kann man sehr gut mit wunderbaren italienischen Bieren kombinieren. Ob klassische (deutsche) Bierstile, ausgefallene Sauerbiere oder köstliche Italian Grape Ales – Italien kann sich mit den anderen ‘klassischen’ Biernationen ohne weiteres messen. Und es macht Spass, diese Biere zu entdecken und wir werden sicher wieder nach Milano kommen.

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